Die Friesische Freiheit


Wie ich schon erwähnt habe, hatten wir Friesen schon immer unseren eigenen Kopf. Die Freiheit war schon immer unser höchstes Gut. Ein entbehrliches Leben führen, ständig den Gezeiten trotzen und selbst dem Meer mit dem Bau von Deichen Einhalt zu gebieten ist wahrlich kein Problem für uns. Unsere Freiheit aufgeben hingegen - undenkbar.

Die Friesische Freiheit (friesisch Fryske frijheid) ist ein uns Friesen angeblich von Karl dem Großen verliehenes Recht, keinen Herren außer dem Kaiser über sich zu haben. Die friesische Sage berichtet von Liber Friso (= freier Friese) und seinen Weggefährten, die im 9. Jahrhundert siegreich aus Italien ins Land am Meer zurückkehrten. In Rom hätten die Friesen vollkommen und unerwartet für ihren König Karl die Römer besiegt. Der König sei begeistert gewesen, belohnte und beschenkte seine tapferen friesischen Krieger mit dem höchsten Gut: Freiheit.

Die moderne Geschichtsforschung schreibt die „Friesische Freiheit“ heute Karl dem Dicken zu, danach verliehen im Jahre 885 infolge des Sieges über die Normannen. Aus den Erfordernissen des Deichbaus und der Verteidigung gegen fremde Mächte organisierten wir Friesen uns im Mittelalter genossenschaftlich in autonomen Landesgemeinden. Während des Hochmittelalters begannen wir Friesen, unsere „Freiheit“ aktiv gegen auswärtige Fürsten zu verteidigen.



Als um 800 die skandinavischen Wikinger das noch unter der Herrschaft der Karolinger stehende Friesland erstmals angriffen, wurden wir Friesen vom Militärdienst auf fremden Territorien freigestellt, um sich gegen die heidnischen Wikinger verteidigen zu können. Mit dem Sieg in der Schlacht bei Norditi im Jahr 884 gelang zwar tatsächlich die dauerhafte Vertreibung der Wikinger aus Ostfriesland, diese blieben aber eine stete Bedrohung. Über Jahrhunderte, während in Europa die Feudalherren regierten, konnten sich in Friesland keine adeligen Strukturen durchsetzen. Nach außen hin vertreten wurde diese „Freiheit“ von Redjeven, aus der Schicht der Großbauern „gewählten“ bzw. ausgewählten Vertretern der autonomen Landesgemeinden. Ursprünglich waren die Redjeven ausschließlich Richter, sog. Asega, die von den Grundherren eingesetzt wurden.

In Ostfriesland gilt noch heute der Grußspruch: „Eala Frya Fresena – Seid gegrüßt ihr freien Friesen“.

 


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